Geschichte unserer Dörfer
Unsere Dörfer Spreda, Deindrup und Strohe blicken auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Die folgenden historischen Berichte geben Einblicke in ihre Entstehung und Entwicklung.
Spreda – Geschichte und Ortsname
Die Geschichte von Spreda

Als der Ortsname Spreda in einer Urkunde von 1205 zum ersten Mal erwähnt wird, waren die dort befindlichen Bauernhöfe sehr wahrscheinlich schon mehrere Jahrhunderte alt. So ist auch anzunehmen, dass Spreda bereits existierte, als die Pfarrkirche in Langförden, zu der seine Bewohner von jeher gehört haben, durch Graf Erpho von Padberg im Jahre 1101 an das von ihm zunächst in Boke an der Lippe gegründete und bald darauf nach Flechtdorf (Nordhessen) verlegte Benediktinerkloster verschenkt wurde.
Gegen Ende des Mittelalters bestand Spreda aus acht Bauernhöfen, die bis ins 19. Jahrhundert als „Halberben“ bezeichnet wurden. Diese Höfe waren vermutlich aus der Teilung von vier ursprünglichen Vollerben hervorgegangen. Aus der Siedlungsgeschichte des nördlichen Westfalen (wozu bis ins 19. Jahrhundert das Osnabrücker Land, das Emsland und das jetzige Oldenburger Münsterland gezählt wurden) ist bekannt, dass die Gründung der später als „Erben“ bezeichneten Hufen vielfach schon in die Altsachsenzeit, d. h. in das frühe Mittelalter, fällt. Genaueres ließe sich für Spreda allerdings nur durch archäologische Ausgrabungen feststellen.
Woher stammt der Name Spreda?
Die einzige Erinnerung an den Ursprung von Spreda ist heute der Ortsname. In den Urkunden des 13. Jahrhunderts lautete die Schreibweise meist „Spredowe“. Der zweite Teil dieses Namens, „owe“, erscheint auch in anderen Ortsnamen der Umgebung, zum Beispiel in den Namen der Höfe Barkhoff in Brockdorf (ursprünglich „Vastenowe“).
Nach dem „Mittelniederdeutschen Handwörterbuch“ von August Lübben bedeutet „ouw(e), ow(e)“ so viel wie „wasserreiches, grasiges fruchtbares Land, Aue“. Demselben Wörterbuch ist auch die Erklärung für den ersten Teil des Ortsnamens zu entnehmen. Dieser ist offenbar von dem Verb „spreden, spreiden“ abgeleitet, das Lübben mit „spreiten, spreizen, ausbreiten“ übersetzt.
Demnach haben die ersten Siedler, die sich – wohl im frühen Mittelalter – in Spreda niederließen, ihren neuen Wohnplatz als „ausgedehnte Aue“ bezeichnet.
Deindrup – Ortsname und Rittergeschichte
Die Geschichte von Deindrup
Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Ortsname Deindrup unterschiedlich geschrieben.
Historische Namensformen
- 1000: Deyndorpe
- 1014: Degendorp
- 1188: Deghendorpe
- 1379: Deindorpe
- 1422: Deyendorpe
- 1607: Deinderuff, Dendorff, Deinterup, Deyndruff u. a. m.
Woher stammt der Name Deindrup?
Deindrup ist das „Dörp uppe Deien“. In der Endung -drup-, -trup- oder -dorp- steckt eindeutig das vom Altsächsischen abgeleitete Wort Dorf. Über den Begriff „Deien“ kann man streiten. Aber es scheint doch so zu sein, dass die Flurbezeichnung, die früher vor der Vermessung „uppe Deien“ hieß, mit dem Bauerschaftsnamen Deindrup in Verbindung steht.
„Dat is deie Wär“, sagt man im Plattdeutschen und meint damit wüchsiges Wetter. Und wenn der Stuten gut aufgegangen ist, sagt man „Dei Stuten ist gaut deiet“. Es ist nicht auszuschließen, dass sich die ersten Ansiedler einen guten Flecken Erde ausgesucht haben, mit dieser „Deien“ sich identifizierten und ihre Bauerschaft „Deien-Dorf“ nannten.
Die Ritter von Deyendorpe

Wenn es auch keine stichhaltigen Beweise gibt, soll es nach Pagenstert in der Bauerschaft einen Rittersitz gegeben haben. Er verlegt ihn auf die Höfe Moormann (heute Böckmann) und Wenneker (lag zwischen Küppers und Ellers).
Diese beiden Höfe sollen früher einmal ein Besitz gewesen sein. Sichere Daten gibt es jedoch über den Ritter selbst, der mehrmals in den Akten erscheint als „Johann v. Deghendorpe“ und in der Mitte des 14. Jahrhunderts gelebt hat, nicht.
Sein Wirken war von kurzer Dauer, denn Ende des 15. Jahrhunderts ist er aus Deindrup verschwunden. Der Nachwelt hat er bei allen Rätseln als Beweis seiner Existenz ein Wappen hinterlassen, das im weißen Feld einen durchgehenden Tischschragen zeigt.
Quelle: Bernd Ahlrichs und Rolf Cordes, Chronik Langförden, 1990.
Gut Strohe – Geschichte eines ehemaligen Adelssitzes
Strohe – Herkunft des Ortsnamens
Zwischen Spreda, Deindrup und Repke lag ein sehr unwirtschaftlicher Grund, zu nichts nutze, ein sumpfiges Gelände, mit Erlen und Birkenholz bestanden, der Strod, Straut genannt. Strod ist ein sumpfiges, mit Erlen bestandenes Gebüsch; davon kommt der Name Strohe.
Franz Ostendorf, Heimatblätter Nr. 6, 1940

Das Gut Strohe
Graf Gerd von Oldenburg und Meinert Rusche
Der streitbare Graf Gerd von Oldenburg lag mit den Ostfriesen, mit den Hansestädten und besonders mit dem Bischof von Münster in bitterer Fehde. Hilfe suchte er bei seinem Bruder, dem König Christian von Dänemark. Im Herbst 1466 suchte er ihn persönlich auf. Zum Schutze seiner Interessen, seiner Frau und Kinder setzte er einen Regentschaftsrat ein, die ersten aus seinen Ministerialen; Meinert Rusche, Heineke Mandelsloh, Helmerich Fikensolt und Dietrich Schlepegrell.
Meinert Rusche geriet so in eine Zwickmühle: Ein großer Teil seiner Güter lag im Niederstift, im Amte Vechta, das dem Bischof von Münster unterstand. Kein Wunder, wenn Meinert Rusche immer rechtzeitig krank wurde, wenn die Münsterschen anrückten; ja einmal in offener Fehde verließ er nachts das Lager der Oldenburger und ritt nach Vechta, um nach seinen Gütern zu sehen.
Als Graf Gerd am 08. Oktober 1470 von Dänemark zurückkam, wurde Meinert Rusche angeklagt, dass er es mit den Münsterschen halte, dass er herrschaftliche Wälder verdorben, die Bürger der Stadt Oldenburg bedrückt habe (er habe deren Vieh die Schwänze und Ohren abgeschnitten und mit Schlägen traktiert); in einem offenen Gericht wurde er seiner Güter im Oldenburgischen für verlustig erklärt.
Schnell schickte Meinert seine bewegliche Habe und sein Vieh ins Münsterland, folgte mit seinem Bruder Johann bald nach und hoffte auf den Beistand des Bischofs von Münster.
Die Gründung des Gutes Strohe
Und wo blieb Meinert? In der Nähe seiner drei eigenhörigen Bauern Thesink, Müting und Stüve von Spreda erbaute er sich eine neue Burg. Zwischen Spreda, Deindrup und Repke lag ein sehr unwirtlicher Grund, zu nichts nutze, ein sumpfiges Gelände, mit Erlen und Birkenholz bestanden, der „Strod“, „Straut“ (Strod ist ein sumpfiges mit Erlen bestandenes Gebüsch) genannt; davon kommt der Name „Strohe“.
Der Konflikt mit dem Bischof von Münster
Hatte der unruhige Meinert geglaubt, er würde beim Bischof von Münster tatkräftige Hilfe erhalten, hatte er geglaubt, er könne im Münsterlande ziemlich ungebunden schalten und walten, da hatte Meinert sich getäuscht. Ja der Bischof schreitet gegen ihn ein, münstersches Militär unternimmt 1471 am 30. November von Cloppenburg aus einen Streifzug nach dem Gute Strohe und lässt 14 Rinder und 4 Schweine mitgehen, die Tiere wurden zur Beköstigung der Truppen in Cloppenburg verwandt.
Nun trat Meinert seine Güter im Niederstift an seinen Bruder Johann ab; er behielt sich das Anrecht an den Gütern im Oldenburgischen vor. Aber alle seine Bemühungen blieben erfolglos, er starb darüber hin, 1497 wird seine Frau Jütta Witwe genannt.
Meinert Rusche der Jüngere
Meinerts Sohn und Erbe, auch Meinert geheißen, war ein wagemutiger Mann. Geht es nicht auf friedlichem Wege, dann eben auf einen andern. 1516 forderte er vom Grafen Johann V. von Oldenburg seine oldenburgischen Güter zurück. Als er abgewiesen wurde und dann drohte, verwies ihn der Bischof Erich von Münster des Landes.
Meinert begab sich ins Osnabrückische, wusste die Herren von Knehem auf seine Seite zu bringen, und als seine Bitte um Ersatz seiner Güter noch einmal abgeschlagen wurde, wurde Meinert ein Straßenräuber. Er lauerte den Bürgern aus Oldenburg auf und beraubte sie.
Der Oldenburger Graf ließ seine Reisige zweimal ins Niederstift einfallen und (wohl vornehmlich) die Ruscheschen Meiergüter ausplündern, den Raub schleppte man auf die Westerburg bei Wardenburg.
1522 starb der Bischof von Münster, sogleich kehrte Meinert ins Niederstift zurück und unternahm von Barßel aus Raubzüge in Richtung Godensholt und Nordloh, wo seine ehemaligen Güter lagen.
Diese Plackereien dauerten an: 1526 vergalten dann des Oldenburger Grafen Söhne Gleiches mit Gleichem, sie überfielen die Zollstätte in Barßel mit 300 Mann, zerstörten die Wehr bei der Schnappenburg und richteten viel Schaden an.
Gefangennahme und Rückkehr nach Strohe
Nun holten die Oldenburger Grafen 1538 zu einem großen Schlage aus, der Oldenburger Einfall des Jahres 1538 ins Niederstift ist schon häufig behandelt. Bei diesem Zug fassten sie auch den unruhigen Meinert Rusche und setzten ihn gefangen.
Im Friedensvertrag von Wildeshausen vom 30. Juli 1538 wurde Meinert auf Bitten des Bischofs von Münster freigegeben, er musste aber urkundlich versprechen, sich von nun an ganz ruhig zu verhalten.
Meinert zog nun wieder nach Strohe und verlebte den Rest seiner unruhigen Tage dortselbst. Als Meinert im hohen Alter mit einem Knaben auf dem Felde war, bekam er Streit mit Meyer und Palmpohl zu Bühren.
Die letzten beiden gewannen die Oberhand und prügelten ihn weidlich durch. Der Amtsfiscus aber sah die Sache anders an, die beiden Bauern zahlten 5 Mark (etwa 1000 Mark heutigen Wertes) Brüche.
Die Familie Rusche im 16. Jahrhundert
Mette Rusche und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten
Mette, seine Frau, die an der Seite ihres Mannes nicht viele frohe Tage verlebt hatte, wohnt 1528 in Vechta auf dem Leibzuchthaus. Schon damals kämpfte das Gut mit Schulden, die Witwe Doringelo zeigt 1544 einen Schuldbrief von 24 Goldgulden (heute etwa 5000 Mark) „in saligen Meinert Rueschen gudere verwaert“.
Als der Kaiser für 1543 eine freiwillige „Türkensteuer“ ausschrieb, „beclaget sick Wedefrouwe Meinartz Ruschen zelliger over beschwerzung“ und trägt zur Steuer nicht bei. Von dritter Hand ist an den Rand des Steuerregisters geschrieben: „pauper“ (ist arm).
Claus, Stephan und Friedrich Rusche
Erbe wurde Meinerts Sohn Claus, er wird von 1550 bis 1559 wiederholt Herr zu Strohe genannt, er scheint aber unverheiratet gewesen zu sein; auch sein Bruder Stephan wird 1559 bis 1572 als Herr von Strohe bezeichnet.
Letzterer scheint friedlicherer Natur gewesen zu sein, 1560 erscheint er als Beistand der Jungfer Frye von Dinklage, 1572 im Markvergleich zwischen Huntlosen und Großenkneten.
Friedrich, des Stephan Sohn, erbte Strohe, heiratete 1593 die Hilbrecht Hermeling; beide Eheleute nahmen 1615, so heißt es in einer kleinen Notiz, an der Pfingstlustbarkeit in Vechta teil.
1619 starb die Hilbrecht, der Witwer heiratet 1622 die Anna Maria von Baumgarten. Friedrich starb am 05. September 1634, 70 Jahre alt. Sein Bruder Meinard war Vogt in Visbek 1615, er stirbt 1641.
Die Familie Rusche im 17. Jahrhundert
Johann Rusche und Ludolph Christoph Rusche
Der Sohn und Erbe Johann Ruesche, verheiratet mit Friederika Cornelia von Dincklage vom Gute Calhorn, stand in münsterschen Diensten als Offizier; 1652 ist er tot; seine Frau lebte auf Strohe als Witwe, ist dort aber nicht gestorben.
Die Kinder dieser Eheleute scheinen in Münster geboren zu sein. Erbe wurde „Ludolphus Christophorus de Reusche“, wie er sich selbst später schrieb.
Geboren 1624, heiratete er 1646 die Catharina Adelheidis von Wersabe, die am 31.03.1671 auf Strohe stirbt und am 03.04. desselben Jahres auf dem Friedhofe beigesetzt wurde.
Der Witwer schritt zur zweiten Ehe mit Anna Magdalena Böselager, welche am 31.01.1702 auf Strohe starb und am 11.02. auch auf dem Friedhofe begraben wurde. Sie war vom Hause Lethe.
Stiftungen für die Kirche in Langförden
1667 schenkte Ludolph Christoph der Kirche einen Predigtstuhl und ließ den Fuß der Orgel „illuminieren“.
Im selben Jahre setzten die Eheleute das Epitaph mit der Inschrift:
Anno 1593 hat sich Friedrich Ruesche geheirathet die woledelgebornene Hilbrecht Hermeling, womit er gelebet 22 Jahre.
Anno 1615 ist er wider zur andern Ehe geschritten mit der woledelgebornen Anna Maria von Bomgarten, womit er gelebt 12 Jahre und im 1634 den 05. Sept. durch einen sanften Tod des Herrn selig entschlafen, dessen Seele Gott gnädig sein wolle.
Im Jahre 1667 ist dieser Stein durch die beiden Eheleute Ludolph Christoffer Rusche und Catharina Alheit von Wersabe, ihren lieben (Groß)Eltern zum Gedächtnis nachgelegt worden.
Dieser Grabstein ist beim Neubau der Kirche Langfördens in die Nordseite der Kirchenwand eingesetzt worden.
Weitere Angehörige der Familie
Noch kommen vor: eine Henricus de Reusche ex „Stro“, eine Catharina Margaretha Reusche, eine „Anna Maria Reusche“, eine hochadlige Jungfrau Maria Lisa Reusche, eine Anna Magdalena de Reusche, Jungfrau; sie scheinen Geschwister oder doch nahe Verwandte des eben genannten Ludolph Christoph de Reusche gewesen zu sein.
Sie treten bei seinen und bei den Kindern seiner gutseigenen Bauern als Taufpaten auf.
Die Kirchenbücher in Langförden beginnen ab 1652, so sind die ersten Kinder der Eheleute Reusche/Wersabe in die Kirchenbücher nicht eingetragen.
Die Kinder aus erster Ehe
Aus der Ehe von Ludolph Christoph Rusche mit Catharina Adelheidis von Wersabe gingen folgende Kinder hervor:
- Anna Maria
- Henrich – er ist nachher Leutnant.
- Johann – stirbt als Leutnant in Vechta im Jahre 1708.
- Anna Magdalena Lucia, geboren am 19.04.1664, gestorben am 28.03.1712; Taufpaten sind nicht angegeben.
- Wolfgang Henrich, geboren am 01.05.1657. Sein Taufpate ist der hochadlige Herr Wolfgang Dorgelo von Welpe; er ist der Erbe des Gutes.
- Dorothea Lucia, geboren am 08.03.1660. Patin ist Margaretha Dorothea, die hochadlige Herrin Schlepegrell auf Vardel.
- Christoph Bernhard, geboren am 20.05.1663. Er stirbt als Kapitän (Rittmeister) in Vechta und ist in der Kirche in Langförden begraben.
Für seine Verwesung in der Kirche zahlte Christoph Bernhard 50 Rth. Er verehrte der Kirche in Langförden eine Trauerfahne, zwei Messgewänder von violettem Sammet und eine Statue „flagellationis Christi“ (der Geißelung Christi).
Die Taufe des Christoph Bernhard Rusche
Unter dem 08.05.1663 schreibt der Bischof Christoph Bernhard an den Rentmeister Johann Schulte von Vechta:
Der Herr von Reusche auf Strohe hat mich zum Gevattern gebeten für seinen etwa 20. lfd. Monats zu taufenden Sohn. Einer der Adligen soll mich vertreten, als Patengab ein Geschirr (25 Rth.) daneben was an Verehrungs- und Drankgelder erfordert werden. Ihr werdet der Hochfürstlichen Meinung in allem Recht tun.
Catharina Margaretha Ruesche quittiert einen „Pocall“ im Werte von 25 Rth.
Paten sind: Fürstbischof Christoph Bernhard, für diesen als Stellvertreter Henrich de Haren zu Hopen; die Gemahlin des Kommandanten und Meisters der Stadtwache (magister vigilium) zu Vechta, für diese als Stellvertreterin die Herrin Voß; die Gemahlin Arnoldi von Elmendorp zu Füchtel.
Maria Catharina, geboren etwa 1670, gestorben am 24.04.1704; sie ist in Langförden nicht getauft.
Die Kinder aus zweiter Ehe
Aus der zweiten Ehe von Ludolph Christoph Rusche mit Anna Magdalena Böselager gingen folgende Kinder hervor:
- Nicolaus Wolfgang Anton, geboren am 15.03.1682, gestorben am 23.02.1704 an den Pocken. Paten: Der hochadlige Adolph Emo de Schlepegrell auf Vardel, die hochadelige Jungfrau Anna Maria de Reusche auf Strohe.
- Agnes Sybilla Maria Elisabeth, geboren 1684, gestorben am 26.04.1723, begraben in Langförden in der Kirche. Für einfache Verwesung sind 10 Rth. bezahlt.
- Johannes Henrich, geboren am 26.08.1685. Die Taufe fand auf dem Schlosse Strohe statt in feierlicher Weise.
Die Taufe des Johannes Henrich
Paten waren der hochadlige Johannes ab Horde, Herr auf der Burg Litta, als Stellvertreter für ihn der hochadlige Herr Wolfgang von Böselager, der Bruder der Mutter; der hochadelige Herr Henrich Rusche, Leutnant, abwesend; die hochadlige Jungfrau Issendorf, Kanonissa in Bassen; die hochadlige Jungfrau Anna Magdalena Rusche, noch die hochadlige Jungfrau Maria Lisa Rusche, für sie als Stellvertreterin die hochadlige Herrin Dorothea Elisabeth a Böselager, Herrin auf der Burg Litta, die Schwester der Mutter.
Johann Henrich wurde Leutnant und trat, was verboten war, in ausländische Dienste. Als er sich nun auf Strohe zum Besuch aufhielt, wurde er 1720 von der Vechtaer Garnison aus arretiert und nach Vechta ins Gefängnis gebracht.
Das Burgmannskollegium legte sofort Beschwerde ein; die adligen Burgen genössen Asylrecht, auf diesen Burgen dürfe keiner arretiert werden; die Beschwerde hatte keinen Erfolg.
1721 hatte der junge Leutnant Streit mit seinem Vater, weil dieser ihm die Einkünfte der nach Strohe eigenhörigen Kühlings Stelle nicht zukommen lassen wollte.
1752 war er noch immer Leutnant und starb am 06.05.1759 auf Strohe im Alter von 74 Jahren.
Weitere Kinder
- Aemilia Sophia, geboren etwa 1687.
- Theodor Adelheid Maria, geboren am 04.02.1690. Paten sind Otto Henrich a. Worm, fürstlich münsterscher Leutnant im Regiment Heidersleben und die hochadelige Dorothea Elisabeth a. Bröseligen, Herrin auf der Burg Litta, die Schwester der Mutter.
Das Leben auf Gut Strohe um 1700
1694 hält Rusche sich einen Hauslehrer (instructor filiorum) Johann Ribbermann.
Im Status vom Jahre 1703 sind von den 13 Kindern nur 1, 9, 11 und 13 zu Hause, drei oder vier Söhne werden beim Militär sein; auf dem Gute arbeiten zwei Knechte (Johann Waschefort und Gerhard Schulte) und zwei Mägde (Anna Christina Petsche aus Cloppenburg und Anna Christina Schnieder) und der Schäfer Johann Sommer.
Wer zwischen den Zeilen liest, merkt, dass auf Strohe herrschaftliches Leben herrschte und das zu einer Zeit, wo unsere engere Heimat schwer daniederlag.
Dabei war das Gut nur klein; der Boden war nicht besonders; kein Wunder, wenn der Erbe schweren Zeiten entgegenging.
Wolfgang Henrich Rusche und die Schulden des Gutes
Wulf Heinrich schlug die militärische Laufbahn ein, brachte es bis zum Kapitän (Hauptmann), er heiratete Agnes Maria Elisabeth von Pinninck. Seine drei Söhne sind in Münster geboren.
Die Schulden, die er hatte übernehmen müssen, waren groß. Er versuchte noch, das Gut vor dem Ruin zu bewahren. Ein guter Wirtschafter scheint er nicht gewesen zu sein.
Der Versuch, eine Wassermühle wieder aufzubauen
Am 20.11.1729 lässt er durch einen Notar und zwei zugezogene Zimmerleute die Kahlplackenbäke untersuchen; man findet dort im Grunde noch Mühlensteine, ein „Klawengatter“, Pfähle und Reste einer Brücke, ein Beweis, dass dort eine Wassermühle gewesen war.
Unter dem 19.12.1729 bittet nun v. Reusche den Bischof, zur Aufbesserung seines kleinen Gutes und zu seiner besseren Subsistenz die alte verfallene Mühle wieder aufrichten zu dürfen.
Der Bischof erlaubt das seinem früheren Offizier. Nun bittet aber Reusche um amtsseitige Arbeitskräfte, da es ihm, dem von Brand und Fatalitäten heimgesuchten Cavalier, nicht möglich sei, aus eigenen Mitteln die Arbeiten und die Kosten des Materials zu bezahlen.
Das schlägt der Bischof ab. So ist aus dem Bau einer Wassermühle wohl nichts geworden; man hört später nichts davon; wohl von einer Ölmühle, die lag neben dem Gute.
Der Tod von Wolfgang Henrich Rusche
Wolfgang Henrich starb am 16.04.1734, für seine Verwesung in der Kirche sind 10 Rth. entrichtet. Seine Frau folgte ihm am 22.02.1746, auch sie fand ihre Ruhestätte in der Kirche gegen Entrichtung der üblichen 10 Rth.
Die drei Söhne aus der Ehe Reusche/Pinninck
Aus der Ehe Reusche/Pinninck sind nachweisbar drei Söhne hervorgegangen, die alle in Münster geboren sind:
- Wilhelm Henrich, der Erbe des Gutes; er war Fähnrich.
- Johann Henrich, Leutnant; er ist in Langförden nicht gestorben.
- Wolfgang Henrich, er stirbt am 24.01.1755 und ist in Langförden auf dem Friedhofe auf der alten Reuscheschen Grabstelle hinter dem Chore beigesetzt.
Wilhelm Henrich Rusche – ein schweres Erbe
Wilhelm Henrich trat ein sehr verschuldetes Erbe an. Er suchte es zu retten. Wegen eines Plattenmattes in Spreda hatte er einen langwierigen Prozess, den er gewann. Er wurde aber zu einem Drittel der Kosten verurteilt. Diese aber konnte er nicht bezahlen.
Nun fordert er in Spreda einen Zuschlag, weil die Spredaer Bauern auch einen solchen bekommen hätten. Dagegen setzten sich nun die Spredaer Bauern, sie behaupten, Strohe sei in der Spredaer Mark nicht berechtigt; Strohe gehöre nach Deindrup, und dort habe es einen Zuschlag von 1 Malter angewiesen bekommen, es habe aber 2 ½ Malter sich eingewallt.
Die Steinriede neben dem Stroher Hofe sei 1694 auch eingewallt, da hätten die Deindruper und Bomhof die Wälle demoliert. Strohe habe nur 2 Malter Landes auf dem Hessel; dafür könne es höchstens 3 Scheffelsaat Zuschlag bekommen; es fordere aber viel mehr.
Der Streit hielt an von 1748 bis 1753, er war zeitweilig so hitzig, dass Gewehre, „Kuesen“, Trampen und ähnliches Gerät eine Rolle spielten. Der Landesherr möchte seinen Offizieren entgegenkommen, aber die erhitzten Gemüter der Spredaer Bauern wollen sich zu einem „Ja“ nicht bewegen lassen.
Grobheiten fliegen hin- und herüber. Endlich, endlich bewilligen die Bauern ihm 8 Scheffelsaat. Als nun der Adlige für die neubewilligten Ländereien die Tertiagelder entrichten soll, da gesteht er, dass er das nicht kann; es waren rund 100 Taler.
Die wirtschaftliche Notlage
Da klagt Reusche:
- Er müsse an die 400 Taler Pensiones (Zinsen) zahlen.
- Am 30.06.1734 seien ihm drei Häuser abgebrannt.
- Am 12.06.1747 habe ein starker Hagelschlag die Roggenfrucht in Strohe und Deindrup fast vollends vernichtet.
- Am 12./13.12.1747 war ein „grausahmer erschröcklicher sturmwindt gewesen, das auf Strohe an die 6000 Pfannen, auch viel Latten sonstiges holtz von den häusern gewehet sind, auch eine Scheune von 5 bis 6 Fack ist niedergelegt“, auch die Stroher Heuerhäuser haben stark gelitten.
- Die Frucht ist 1748 sehr schlecht geraten, dass man Brotkorn habe kaufen müssen.
Münster erklärt, die fälligen Gelder könnten als Hypothek auf dem Gute stehen bleiben.
Ein paar Tage vor seinem Tode kam noch der Fiskal, um fällige Gelder zu holen. Der ergraute und verärgerte Wilhelm Henrich klagte und meinte, der Tod wäre für ihn eine Erlösung.
Die Familie Rusche und die Kirche in Langförden
Die Reuschen hatten in der Kirche auch ein Gestühl, das war von altersher so gewesen.
1682 beschwerte man sich in Münster, dass der Frauenstuhl der Reuschen so hoch stände, dass die andern Frauen in der Kirche den Altar nicht sehen könnten; früher seien diese Stühle anders gewesen. Hier wurde eine Änderung herbeigeführt.
1703 werden alle Bewohner des Hauses Reusche als lutherisch bezeichnet; später sind einige Mitglieder katholisch geworden, so auch die Gebrüder Wolfgang Henrich, Johann Henrich und Wilhelm Henrich.
Der Streit um das Erbbegräbnis
1744 erbitten nun diese drei ein Erbbegräbnis in der Langfördener Kirche; zwei große Grabsteine mit starken Reliefs hatten sie bereits anfertigen lassen; fürs Erbbegräbnis wollen sie 10 Taler zahlen.
Die Kirche fordert für ein Erbbegräbnis für 2 Särge 200 Taler, dann dürfen die Reliefs der Grabsteine die Kirchenbesucher nicht hindern.
Nun entwickelt sich wieder ein hitziger Streit; die Junker wenden sich an den Pfarrer, den Dechanten, nach Münster und bedeuten, was man einem lutherischen Kavalier erlaubt hätte, das verweigere man ihnen, den Katholiken.
Sie drohten, mit Gewalt vorgehen zu wollen. Da die Reuschen die erhabenen Reliefs von ihren Grabsteinen nicht entfernen wollten, auch die 200 Taler nicht bezahlen konnten, ist aus dem Erbbegräbnis nichts geworden.
Der Tod von Wilhelm Henrich Rusche
Als Wilhelm Henrich Reusche am 24.04.1764 stirbt, nennt das Kirchenbuch ihn „Herr der Burg Strohe“ und Signifer (Fähnrich), er wurde gegen Entrichtung der 10 Taler in der Kirche begraben.
Der Konkurs des Gutes Strohe
Nach Nieberding war Wilhelm Henrich verheiratet, auch seine Kinder sind in Langförden ins Kirchenbuch nicht eingetragen.
Nieberding nennt eine Tochter, die in Coesfeld ins Kloster trat; die Witwe mit einer zweiten Tochter sei auf der Burg geblieben.
Die Schulden waren untragbar geworden; der Erbkämmerer Wilhelm Ferdinand Freiherr v. Galen hatte in der Burg 8000 Taler stehen.
Der Konkurs war unvermeidlich. Das Desumsche Gericht hegte und schätzte das Gut auf 12000 Taler, dafür fand sich aber kein Käufer.
Der Verkauf im Jahr 1769
Am 15.10.1769 kaufte der Notar Johann F. Vandriancy für v. Galen das Gut Strohe von Fräulein Sibilla v. Reusche.
Die Schulden beliefen sich auf 8000 Taler Grundschuld laut Obligation vom 05.03.1710, dazu kamen noch die Zinsen seit Pfingsten 1768 zu 5 Prozent; noch waren 127 Taler 22 Sg. 8 Deit Gerichtskosten unbezahlt, noch standen aus 80 Taler für Ausweisung des letzten Zuschlages bei der Kammer und noch 21 Taler 3 Gr. sonstige Schuld.
v. Galen übernahm das ganze Gut (einige kleine Sachen wurden ausgenommen, so die Ländereien in Spreda, Mütings und Kühlings Stelle) mit den Schulden und zahlte dem Fräulein v. Reusche 2000 Taler, die der Adlige jedes Jahr am 15.10. mit 4 Prozent verzinsen will.
Die weiteren Besitzer des Gutes Strohe
Die Familie von Reusche verlässt Strohe
Am 17.10.1769 legt der Leutnant im Nagelschen Regiment, Friedrich Christian von Reusche Herr zu Beversundern, Beschlag auf die 2000 Taler durch obigen Notar in Gegenwart der Zeugen Fleischhauer, Franz Sangeler und Zacharias Pröbsting in Münster.
Die Witwe starb noch vor dem endgültigen Verkauf des Gutes, die Tochter zog einstweilen zu der Witwe Metting in Vechta und später zu ihrem Bruder (oder Vetter) nach Beversundern in der Grafschaft Lingen.
Von Galen und von Kerckering
Am 26.11.1769 trat v. Galen das Gut Strohe ab an den Hauptmann Freiherr Klemens August von Kerckering zu Sassenberg nach Maß des zwischen beiden wegen des Gutes Bisping getroffenen Vergleiches.
Der Sohn des von Kerckering hat dann um 1800 das Gut Strohe für 154800 Taler wieder veräußert an den damaligen Obervogt von Langförden, Anton Joseph Lamping.
Das Gut unter seinen Pächtern
Das Gut Strohe war ab 1769 an Heuerleute verpachtet gewesen, auf dem Herrenhause wohnt der „große Heuermann“ Johann Alard Büssing.
Um 1789 ist Hermann Bernhard Meyer, geboren auf Meyers Stelle in Schledehausen, seine Frau war eine Meistermann aus Bakum, Verwalter des Gutes Strohe.
Wie groß war das Gut Strohe?
Das Gut umfasste das Gutshaus mit Garten, 9 Heuerhäuser mit Gärten, 11 Maltersaat Bauland (121 Scheffelsaat), vier Wiesen und eine Weide, viel Holz, Berechtigung in der Deindruper Mark zu zwei Anteilen und in der Spredaer Mark wegen des Hesselkampes, Jagd- und Fischereiberechtigung, Landtagsfähigkeit, Hammerwurf in Strohe und Deindrup, zwei eigenhörige Bauern (Stüve in Spreda und Menke in Bergstrup).
Anton Joseph Lamping und die Aufteilung des Gutes
Lamping, der für seine 10 Kinder allerhand Gelder missen musste, seine Frau, eine Lisette Broxtermann, hielt einen ziemlich herrschaftlichen Hof, verkaufte dann das Gut.
Er teilte das Gut in 14 Teile und verkaufte auf dem Landgericht in Vechta am 17. September 1830.

Die Aufteilung des Gutes im Jahr 1830
Die einzelnen Grundstücke und Gebäude wurden an verschiedene Käufer veräußert. Franz Ostendorf beschreibt in seinem historischen Bericht die Käufer, die Besitzverhältnisse und die weitere Entwicklung der einzelnen Teile.
Die nachfolgende Aufstellung enthält sämtliche 14 Teile des ehemaligen Gutes.
Die Grundstücksteile 1 bis 8
Teil 1 – Anton Kröger
Teil 1 bestand aus dem Krögerschen Hause, einem Heuerhaus von 3 Fach, 40 Scheffelsaat 10 Ruten Land, zum Teil mit Holz bestanden, Anteil an der Deindruper Mark als 1/7 Erbe und entsprechende Anteile an den Stroher Kirchenbänken in der Langfördener Kirche.
Käufer dieses Teiles war der Heuermann Anton Kröger. Bürge ist sein Vetter Heinrich Kröger, der bei ihm im Heuerhause wohnt.
Der Kaufpreis betrug 835 Taler; Kröger zahlt am 04.12.1832 bar an Lamping 235 Taler, dann die fälligen Zinsen mit 21 Taler 60 Gr., die Verkaufskosten (2 Prozent) mit 16 Taler 51 Gr. und die Ingrossationskosten mit 9 Taler.
Kröger verkaufte an Bernd Henrich Schillmüller, seine Frau Anna Maria Elisabeth geb. Averbeck, war Hebamme, sie wanderten mit ihren Kindern in den 70er Jahren nach Amerika aus; Käufer war Gerhard Beimohr, und von ihm kaufte Franz Jansen diesen Teil zu seiner Besitzung dazu.
Auch dieser konnte die Stelle nicht halten, den Grund kaufte (Lord) Siemer, das Haus wurde abgebrochen. Es lag unmittelbar nördlich vom Gutshause zwischen Gutshaus und Teil 1 und 2.
Teil 2 – Johann Diedrich Herbers
Teil 2: Ein Heuerhaus mit Land usw. wie bei 1. Käufer ist der Bewohner des Haupthauses, der Heuermann Johann Diedrich Herbers, ein von Herbers’ Stelle in Spreda abgehender Sohn.
Bürge ist sein Nachbar Anton Kröger. Die einzige Tochter des J. D. Herbers heiratete später den Gerhard Beimohr aus Bervern.
Beimohr, der Teil 1 und 3 noch dazu ankaufte, konnte den Bestand nicht halten und verkaufte an Franz Jansen, dieser verkaufte dann später an (Lord) Siemer. Heute wohnt dort Vaske als Pächter.
Teil 3 – Johann Henrich Holstermann
Teil 3 lag östlich von 2; Haus, Ländereien und Berechtigungen wie bei 1. Käufer ist Johann Henrich Holstermann, sein Bürge der Neubauer Johann Henrich Brinkmann aus Hagen bei Vechta.
Dieser Holstermann heiratete 1822 die Witwe Cathartina Margarethe Menke, geborene Johanns.
Diese Menken waren seit etwa 1750 „Ölgemüller“ auf Strohe gewesen. Holstermann hatte keine Kinder, die Stelle wurde dann später verkauft, das Haus wurde abgebrochen, die Ländereien gingen teils an Thölking (Teil 4), teils an Beimohr-Jansen-Siemer über.
Teil 4 – Johann Thölking
Teil 4, Haus, Land und Berechtigungen wie bei 1, kaufte der Bomhofer Heuermann Johann Thölking, genannt Schaland, seine Frau war eine Anna Maria Lücking, Bürge ist der Schmied und Schwiegervater Rudolph Lücking.
Dieser Thölking war ein Nachkomme des Langfördener Lehrers Hermann Thölking, ein von Thölkings Stelle in Langförden abgehender Sohn.
Dieser Besitz hat sich gehalten, er gehört heute noch Thölking. Ausweisungen aus der Deindruper Mark und Ankäufe ließen die Stelle auf etwa 165 Scheffelsaat wachsen.
Teil 5 – Hermann Heinrich Jansen und Gerd Hackmann
Teil 5, Größe wie bei 1. Käufer sind der das Heuerhaus bewohnende Hermann Heinrich Jansen oder Jansen und der Knecht bei Wenten in Calveslage, Gerd Hackmann.
Bürge ist der Heuermann Joseph Backhaus in Deindrup in Tebben Heuer. Sie teilten den Kauf, Hackmann baute sich östlich des Jansenschen Hauses ein kleines Häuschen.
Beide Stellen waren sehr klein, zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.
Gerd Hackmann starb 1854, die Kinder suchten sich eine Stelle, die Witwe, krüppelig und krumm gearbeitet, zog zu ihren Verwandten nach Schledehausen.
Am 12.01.1852 meldet die Witwe Jansen den Konkurs an; Haus und 21 Scheffelsaat Land werden amtlich verkauft.
Die Ländereien kaufte zum größten Teil der auf der alten Wennekers oder Wilmes Stelle in Deindrup wohnende Bauer Endemann; als dann auch diese Stelle 1879 verkauft wurde, wurden beide Heuerhäuser abgebrochen, die Ländereien wurden zumeist von Dieker-Langförden angekauft.
Reinke-Dieker hat dann später von diesen Ländereien wieder verkauft. Heute Eigner Borchers mit etwa 20 Scheffelsaat und Eigner und Neubauer Mählmann, etwa 40 Scheffelsaat.
Teil 6 – Arend Ostendorf
Teil 6, Größe wie bei 1. Käufer ist Arend Ostendorf, Heuermann bei Dieker in Langförden.
Auch diese Stelle konnte sich nicht halten; Käufer ist Franz Janßen und von ihm erstand die Besitzung (Lord) Siemer.
Dieser wollte das Haus abbrechen, um es weiter nordwärts, wo die Ländereien lagen, wieder aufzubauen; da brannte es ab.
Das Brandkassengeld wurde dann in das neue Haus verbaut, heute Dultmeyer.
Diese Häuser, 4, 5 und 6, lagen an den Neuen Zuschlägen an der Deindruper Grenze.
Teil 7 – Ahlert Gerken
Teil 7, wie bei 1. Käufer ist Ahlert Gerken, bislang Heuermann bei Penkhaus in Repke, seine Frau war eine Marie Elisabeth Langemeyer, heute noch Gerken.
Auch diese Stelle wuchs auf etwa 80 Scheffelsaat an.
Teil 8 – Die ehemalige Ölmühle
Teil 8 umfasste die Ölmühle, ein Haus und sonst wie bei 1. Es fand sich kein Käufer.
Die Grundstücksteile 9 bis 12 – Das ehemalige Herrenhaus
Teil 9 und 11 umfassten den südlichen Teil des Herrenhauses zu 6 Fach. Backhaus und Brunnen zum gemeinschaftlichen Gebrauch mit 10 und 12 und entsprechend Land in doppelter Größe wie bei Teil 10 und 12 bildeten den nördlichen Teil des Herrenhauses zu 5 Fach und entsprechend Land.
Bewohnt war das Herrenhaus zur Zeit von dem großen Heuermann B. H. Büssing; diese Teile, die einzeln und zusammen aufgeboten wurden, blieben unverkauft.
Hermann Henrich Grave übernimmt das Herrenhaus
Am 21. September 1830 kaufte dann der aus Schwichteler stammende Herman Henrich Grave die Teile 9 bis 12, also das ganze alte Herrenhaus, das bald nachher abbrannte, 128 Scheffelsaat Land und die große Wiese.
Der Kaufpreis betrug 3250 Taler, wovon die Hälfte Johanni 1831 bar bezahlt werden musste, die andere Hälfte konnte gegen 4 Prozent Zinsen als Hypothek auf der Stelle stehen bleiben.
Grave kaufte dann später auch Teil 8 mit 40 Scheffelsaat, war als 5/7-Erbe in der Deindruper Mark berechtigt; hier erhielt er 1849 bei der ersten Teilung der Deindruper Mark 68, 1854/55 bei der letzten Teilung 91 Scheffelsaat, kleinere Zuschläge brachten die Stelle auf rund 330 Scheffelsaat.
Die Grundstücksteile 13 und 14
Teil 13 und 14 bildeten 91 Scheffelsaat 20 Ruten Land (6 Stücke auf dem Hohen Kamp, das Hohe Holz, der Eckerngarten, die Wiese daran, der Zuschlag am Hofe), die Hammerwurfsgerechtigkeit, 2/7 Markenanteil in der Deindruper Mark, die Jagd- und Fischereigerechtigkeit, dann noch der kleine Frauenkirchenstuhl und die Stroher Kirchenstände im Chorstuhl auf dem Chore der Langfördener Kirche und noch die Begräbnisstelle auf dem Kirchhof gleich hinter dem Chore mit den zwei Leichensteinen.
Die Ländereien sind später an einzelne verschiedene Käufer veräußert, die „Gerechtigkeiten“ haben sich zum Teil von selbst erledigt.
Einzeln wurden noch verkauft an Kötter Anton Backhaus-Deindrup eine Wiese von 2 Scheffelsaat im Langen Strohe, eine Wiese in Barnsbruch an J. J. Lammers, Heuermann bei Herbers in Spreda, und das Moor Nr. 26 und 62 hinter Welpe an Schmied Rudolf Lamping in Spreda.
Historischer Rückblick
Rückblickend: Von den drei adligen Gütern hat der Bomhof sich als adliges Gut gehalten, Vardel hat sich ebenfalls im Besitz gehalten, ist aber in bäuerlichen Besitz übergegangen; Strohe ist geteilt, heute sind dort fünf eigene Besitze und zwei Pächtereien.

Quellenangabe
Quelle:
Franz Ostendorf: „Das Gut Strohe“, Heimatblätter Nr. 7, 8 und 9, 1940.